Polizeimethoden Archive

Update: in dubio pro duriore

Das Bundesgericht kassiert die Einstellung eines Strafverfahren gegen einen Polizisten, der ein Fahrzeug mit Salven aus seiner Maschinenpistole stoppen wollte und dabei einen Insassen tödlich verletzte (BGE 1B_687/2011 vom 27.03.2012, Publikation in der AS vorgesehen). Es betont einmal mehr, dass “in dubio pro reo” im Vorverfahren nicht zur Anwendung kommen darf:

Pratiquement, une mise en accusation s’impose lorsqu’une condamnation apparaît plus vraisemblable qu’un acquittement. En effet, en cas de doute, ce n’est pas à l’autorité d’instruction ou d’accusation mais au juge matériellement compétent qu’il appartient de se prononcer. Au stade de la mise en accusation, le principe “in dubio pro reo”, relatif à l’appréciation de preuves par l’autorité de jugement, ne s’applique donc pas. C’est au contraire la maxime “in dubio pro duriore” qui impose, en cas de doute, une mise en accusation. Ce principe vaut également pour l’autorité judiciaire chargée de l’examen d’une décision de classement (arrêt 6B_588/2007 du 11 avril 2008, consid. 3.2.3, publié in Praxis 2008 n° 123) [E. 4.1.1].

Den Grundsatz “in dubio pro duriore” leitet das Bundesgericht aus Art. 5 BV i.V.m. Art. 319 Abs. 1 lit. a und b BV ab: (more…)

Hausdurchsuchung nach SVG-Delikt

Der Tages-Anzeiger berichtet online über eine Hausdurchsuchung, deren Sinn kaum nachzuvollziehen ist, dies aber ja auch nicht muss. Der Rechtsstaat Schweiz hat sich bekanntlich dazu entschlossen, den Strafverfolgungsbehörden faktisch “carte blanche” für Hausdurchsuchungen und andere Zwangsmassnahmen zu erteilen. Kein Vieraugenprinzip, kein Richtervorbehalt, keine wirksame nachträgliche Kontrolle; bloss die Hoffnung, dass Staatsanwälte schon wissen werden, was sie tun.

Post- und Fernmeldeüberwachung: Statistik 2011

Das EJPD präsentiert die Statistik 2011 zur Post- und Fernmeldeüberwachung:

  • Medienmitteilung
  • Statistik ab 1998
  • Detaillierte Statistik 2011 (Excel)
  • Sehr zu empfehlen ist das Excel-Sheet, aus dem detailliertere Informationen hervorgehen und das Ergebnisse zu Tage fördert, die zumindest erstaunlich sind. So erfreuen sich etwa die Antennensuchläufe immer grösserer Beliebtheit, obwohl etliche Kantone (zum Beispiel Zürich im Jahr 2011) ganz darauf zu verzichten scheinen.

    Polizeivideo verwertbar

    Das Bundesgericht weist eine Beschwerde ab, mit der die Unverwertbarkeit eines Polizeivideos geltend gemacht wurde (BGer 6B_694/2011 vom 23.01.2012):

    Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung von Art. 141 Abs. 2 der Schweizerischen Strafprozessordnung vom 5. Oktober 2007 (StPO; SR 312.0). Er macht im Wesentlichen geltend, die Polizeibeamten hätten das ihm angelastete Fahrmanöver mit der Videokamera erst aufgezeichnet, nachdem sie von der Ausfahrt Münchenstein auf den Normalfahrstreifen der Autobahn gewechselt und dabei eine Sicherheitslinie (recte: Sperrfläche) überfahren hätten. Bei der ihm vorgeworfenen Tat handle es sich nur um eine Übertretung, weshalb es nicht um die Aufklärung einer schweren Straftat gehe. Sein Fehlverhalten wiege sogar leichter als die Verkehrsregelverletzung der Polizeibeamten. Die Videosequenz ab Überfahren der Sperrfläche sei ein rechtswidrig erlangter Beweis im Sinne von Art. 141 Abs. 2 StPO, der nicht verwertet werden dürfe (…) [E. 1].

    Das Bundesgericht erledigt die Beschwerde, indem es mit den vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellungen widerlegt, dass das Video in strafbarer Weise erstellt wurde: (more…)