Leib und Leben Archive

Parteiischer und ausländerfeindlicher Oberrichter?

Das Bundesgericht weist eine Beschwerde ab, mit der u.a. geltend gemacht wurde, der vorsitzende Richter der Vorinstanz sei nicht unparteiisch und nicht unbefangen (BGer 6B_582/2011 vom 15.03.2012). Das Bundesgericht stellt die Rüge wie folgt dar:

Er bringt vor, Oberrichter A., welcher die Berufungsverhandlung als Vorsitzender geleitet habe, sei aufgrund seiner Funktion als Sekretär der politischen Partei “Schweizer Demokraten” der Stadt Zürich und seines Amtes als Gemeinderat der Stadt Zürich als Vertreter dieser Partei im vorinstanzlichen Verfahren befangen gewesen. (more…)

Umfassend haftender Architekt

Das Obergericht des Kantons Solothurn hat einen Architekten wegen fahrlässige Körperverletzung und Gefährdung durch fahrlässige Verletzung der Regeln der Baukunde verurteilt. Ihm wird vorgeworfen, für den Sturz eines Bauarbeiters aus fünf Metern Höhe (Verletzungen an den Füssen) verantwortlich zu sein, weil er kein Baugerüst aufstellen liess. Das Bundesgericht bestätigt den Entscheid (BGer 6B_566/2011 vom 13.03.2012) und damit neben der strafrechtlichen auch die zivilrechtliche Haftung des Architekten.

Zur Garantenstellung des Architekten:

Art. 229 StGB statuiert im Ergebnis eine Garantenstellung aus Ingerenz, indem er Personen, die im Rahmen der Leitung oder Ausführung von Bauwerken Gefahren schaffen, anhält, für ihren Verantwortungsbereich die Sicherheitsregeln einzuhalten (…). Ob Art. 104 der SIA-Norm 118 eine vertragliche Garantenstellung des Beschwerdeführers begründet, kann deshalb offenbleiben (E. 2.4.1).

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Antizipierte Beweiswürdigung auch im Vorverfahren

Eine Frau zog sich beim Besuch eines Solariums lebensgefährliche Brandverletzungen zu. Das Verfahren gegen die Betreiberin des Solariums wurde eingestellt. Das Bundesgericht weist die dagegen geführte Beschwerde mit aussergewöhnlich umfangreicher Begründung ab; dies obwohl es die Eintretensfrage offen liess und eine materielle Begründung möglicherweise gar nicht notwendig war (BGer 1B_508/2011 vom 09.02.2012).

Das Bundesgericht beschäftigt sich im Entscheid einlässlich mit Fragen der Beweiswürdigung und billigt der für die Einstellung verantwortlichen Staatsanwaltschaft zu, gestützt auf eine antizipierte Beweiswürdigung auf Untersuchungshandlungen verzichtet zu haben: (more…)

Genugtuung auch für den hinterbliebenen Konkubinatspartner

Das Bundesgericht anerkennt in einem neuen zur Publikation in der AS vorgesehenen Entscheid (BGE 6B_268/2011 vom 02.02.2012) den Genugtuungsanspruch des überlebenden Konkubinatspartners (Art. 47 OR):

Il ressort des constatations cantonales, qui lient le Tribunal fédéral, que la recourante et le défunt vivaient ensemble depuis plus de 4 ans, qu’ils avaient un projet de mariage mais devaient chacun préalablement divorcer de leur conjoint respectif, que leur relation était dense et harmonieuse et qu’il ne fait pas de doute qu’elle constituait une communauté de toit, de table et de lit. Au vu de l’ensemble de ces éléments, la recourante et le défunt doivent être considérés comme ayant formé une relation de concubinage stable, telle que définie ci-dessus, ouvrant le droit à la recourante à l’allocation d’une indemnité pour tort moral au sens de l’art. 47 CO. La cour cantonale a par conséquent violé le droit fédéral en refusant le principe d’une telle indemnité (E. 2.4).