Wirtschaftsdelikte Archive

Grenzwertige Strafen sind vollwertig zu begründen

Das Bundesgericht kassiert zum zweiten Mal ein Urteil des Appellationsgerichts des Kantons Basel-Stadt in der selben Angelegenheit (BGer 6B_681/2011 vom 12.03.2012; vgl. auch den ersten Entscheid BGer 6B_209/2010 vom 02.12.2010 ). Diesmal beanstandet das Bundesgericht, dass die Vorinstanz eine Strafe 45 Tage über dem Grenzwert von zwei Jahren verhängt hat, ohne zu begründen, wieso eine Strafe ohne diese 45 Tagen nicht auch angemessen sei: (more…)

Kein Versicherungsbetrug mangels Arglist

Das Bundesgericht kassiert eine Verurteilung wegen versuchten (Versicherungs-)Betrugs mangels Arglist (BGer 6B_599/2011 vom 16.03.2012). Es ist danach nicht arglistig, auf der Schadensmeldung einen falschen Kilometerstand zu behaupten, zumal dies einfach nachzuprüfen ist: (more…)

Zur Verwertbarkeit von Zeugenaussagen

Das Bundesgericht musste sich mit der umstrittenen Frage auseinandersetzen, ob Aussagen, die eine zeugnisverweigerungsberechtigte Person ohne entsprechende Rechtsbelehrung in einem Verwaltungsverfahren macht, im parallel geführten Strafverfahren verwertbar sind (BGer 6B_519/2011 vom 20.02.2012). Es beantwortet die Frage im Ergebnis nicht und belässt es bei der Feststellung, es sei jedenfalls nicht willkürlich, die Verwertbarkeit zu verneinen. Es weist aber ausdrücklich darauf hin, dass es die Rechtslage unter der Schweizerischen Strafprozessordnung nicht prüfen musste:

Das Aussageverweigerungsrecht von Ehegatten ist in § 129 Ziff. 2 StPO/ZH geregelt. Zutreffend ist, dass sich diese Bestimmung explizit nur zum Aussageverweigerungsrecht gegenüber den Strafverfolgungsbehörden äussert. Der Inhalt einer Rechtsnorm ergibt sich jedoch nicht nur aus dem Wortlaut, sondern auch aus deren Sinn und Zweck (vgl. BGE 135 IV 126 E. 1.3.3; 134 IV 297 E. 4.3.1 mit Hinweisen). Die Frage, ob und inwieweit ein Verwertungsverbot auch für Aussagen aus einem (parallelen) Verwaltungsverfahren gelten muss, wenn die betroffene Person nicht auf ihr Aussageverweigerungsrecht hingewiesen wurde, ist in der schweizerischen Lehre umstritten (more…)

Zum räumlichen Geltungsbereich des StGB und anderen Grundsätzen

Das Bundesgericht kassiert ein Urteil des Obergerichts des Kantons Bern in einem umfangreichen Wirtschaftsstrafprozess. Es wirft der Vorinstanz im Ergebnis vor, elementare Grundsätze verletzt zu haben (BGer 6B_102/2011 vom 14.02.2012).

Der Sachverhalt war in drei Anklagekomplexe gegliedert. Beim ersten Anklagekomplex mit Tatort London hat das Obergericht die Frage nach dem räumlichen Geltungsbereich des StGB (Art. 7 StGB) offenbar gar nicht geprüft: (more…)